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Udo Zindel liest aus „Heiß ersehntes Amerika“
- 3. März 2026
- Gepostet von: Katrin Ebinger-Möll
- Kategorie: Deutsch Geschichte Literatur Neuigkeiten

📖😊 Am Donnerstag, dem 29. Januar, bot sich für interessierte Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Münsingen die Gelegenheit zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung: Der renommierte Journalist, Buchautor und USA-Experte Udo Zindel trug ausgewählte Abschnitte aus seinem Werk „Heiß ersehntes Amerika – auf den Fährten zweier Auswanderer“ vor und diskutierte darüber mit 34 Schülerinnen und Schülern, die aus den 10., 11. und 12. Klassen zu dieser Nachmittagsveranstaltung gekommen waren.
Udo Zindel zeichnete in seiner Autorenlesung das Schicksal der beiden Brüder Carl und Friedrich Herzog nach, die Ende der 1840er-Jahre von Stuttgart in die USA ausgewandert waren. Die Lesung begann mit dem Stuttgarter „Brodaufstand“ vom 3. Mai 1847: Bereits dieser Einstieg war „Geschichte von unten“, wie sie in den gängigen Geschichtsbüchern kaum zu finden ist: Carl, der ältere der beiden Brüder, hatte ganz einfach das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Er wird von der Staatsgewalt – wie sich später in einem Prozess herausstellt – zu Unrecht verhaftet, muss aber wegen Widerstand gegen „Polizeisoldaten“ dennoch eine mehrmonatige Haftstrafe verbüßen. Danach ist Carl wirtschaftlich wie sozial ruiniert und beschließt, ins „Land der Freiheit“ auszuwandern, um weiteren Repressalien in der schwäbischen Heimat zu entgehen. Gut anderthalb Jahre später folgt ihm sein Bruder Friedrich nach.
Was die beiden Brüder in den USA erleben und wie sie mit den Brüchen und Widersprüchen der aufstrebenden Demokratie umzugehen versuchen, wäre eigentlich Stoff für gleich mehrere Abenteuerromane; Udo Zindel hat das Schicksal der beiden Stuttgarter Auswanderer jedoch akribisch genau recherchiert und seine Lesung immer wieder mit dokumentarischem Material unterfüttert – so z. B. mit der Verpflichtungs-Urkunde, die Carl Herzog bei der US-Army unterschrieben hat, oder mit historischem Kartenmaterial. Zwischen den Textpassagen, die Udo Zindel vortrug, gab es immer wieder Gelegenheit für Fragen sowie Raum für Diskussionen und den Blick auf die großen historischen Zusammenhänge. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler z. B., dass der Niedergang des „Missouri Rhineland“ kein Einzelfall in der Geschichte der USA war: Denn ähnlich wie den deutschstämmigen Amerikanern nach dem Kriegseintritt der USA im Ersten Weltkrieg ist es den Einwanderern aus Japan nach Pearl Harbor im Zweiten Weltkrieg ergangen.
Der Stiefvater Udo Zindels hatte beim Aufräumen in der Garage einen alten Holzkoffer gefunden. Und darin: die Briefe, die Carl und Friedrich Herzog vor über 180 Jahren an ihre Verwandtschaft in Stuttgart geschrieben hatten. Das war der biographisch-konkrete Anlass, „Heiß ersehntes Amerika“ zu schreiben. Nun konnten 34 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Münsingen eine packende und fesselnde Zeitreise in die USA der 1840er und 1850er-Jahre unternehmen und dabei auch einiges über die gegenwärtigen Verhältnisse im „Land der Freiheit“ erfahren. Iniziiert und moderiert wurde die Veranstaltung von Matthias Fuchs, dem stellvertretenden Schulleiter des Gymnasiums.
(Herr Fuchs)
